ISRC – oder der Da Vinci Code der Musikindustrie ;-)

Da ich in letzter Zeit immer mal wieder von Seiten der Künstler mit der Frage konfrontiert werde, was das denn sei – Das Label habe gesagt es müsse unbedingt mit auf das Master. Ach ja und ob man es auch in die MP3s machen könne für iTunes & Co.? – gibt es hier mal ein paar kurze Gedanken zum Thema ISRC.
Zuerst: Wat soll der Quatsch?

ISRC ist die internationale Abkürzung für den International Standart Recording Code.
Dieser Code gibt jedem Titel als digitale Signatur eine weltweit einzigartige Identität, wie der Zusatz „International“ wohl schon vermuten lässt. Und mit jedem „Titel“ ist wirklich jeder Titel gemeint, d.h. es gibt nicht nur eine Identität für dein Lied „Ein Song ohne Namen“, sondern auch für seine Instrumentalversion, seinen Radio-Edit, seinen Dance-Remix, sein Halbplayback für die Karaoke-CD u.s.w., damit jeder dieser Titel immer dem richtigen Label und dem entsprechenden Künstler zugeordnet werden kann.
Wofür das ganze nützlich ist?
Der Code wird von Radio- und TV-Stationen genutzt um die Titel die hier ihr Airplay bekommen genau zu identifizieren, damit der Verwalter der Rechte des Titels – hier gibt es ja eine paar, neben dem reinen Urheberrecht – entsprechend der Sendezeit sein Geld bekommt. Das ganze geht natürlich auch rein über den LC (Labelcode) aber hier muss notwendiger Weise immer der LC, sowie Interpret und Song notiert werden. Über den automatisch Ausgelesenen ISRC geschieht diese Zuordnung eben 100%ig und komfortabel – vor allem wenn unterschiedliche Personen die Verwertungsrechte an unterschiedlichen Versionen des gleichen Songs besitzen. Ausserdem behält jeder Titel den ihm einmal zugewiesenen ISR Code auch wenn die Verwertungsrechte einmal den Besitzer wechseln sollten, damit keine zusätzliche Verwirrung entsteht. Wichtig zu wissen ist aber, das die Vergabestelle des ISRC im jeweiligen Land kein Buch führt über jeden einzelnen Titel. Diese Aufgabe muss der Besitzer des Titels – meist das Label – selbst erledigen. Neben dem ISRC gehört also auch der eindeutige Name des Künstlers und des Titels in solch eine „Buchführungsliste“, sowie die genaue Länge des Titels – wie schon gesagt jede Version hat ihre eigene Identität!
Beim üblichen Ablauf einer solchen Produktion vergibt das Label den ISRC für jeden herausgegebenen Titel und führt entsprechend Buch darüber.
Und wie das Ganze funktioniert?
Ganz einfach…
DE – A1B – 11 – 00001
So kann beispielsweise ein ISRC aussehen. Auf Grund der besseren Lesbarkeit hier mittels Spiegelstrichen getrennt. Die Positionen der Trennstriche unterteilen den ISRC in seine unterschiedlichen Teile aus denen er sich zusammensetzt.
Da wäre zum ersten das DE.
Diese Buchstaben sind das Länderkürzel für das Vergabeland des Codes – in diesem Falle: Deutschland. Hätte die beantragende Person oder Firma seinen/ihren Sitz zum Beispiel in den USA stünde hier US.
Als nächstes folgt der Registriercode des Titelinhabers, der so genannte Erstinhaberschlüssel. In unserem Fall also: A1B .
Dieser ist im Zusammenhang mit dem Länderkürzel immer einzigartig und wird von der deutschen Landesvertretung der IFPI (International Federation of the Phonographic Industry) zugeteilt. In Deutschland ist das der Bundesverband Musikindustrie. (www.ifpi.de)
Die nächsten zwei Ziffern, hier die 11, geben das Jahr der Registrierung des Titels an. In unserem Fall wäre der Titel also 2011 registriert.
Die letzten fünf Ziffern (00001) sind der von euch vergebene, so genannte Aufnahmeschlüssel. Entgegen mancher Aussagen muss es sich hierbei nicht zwangsläufig um eine fortlaufende Nummer handeln, das Vergabesystem ist dem Inhaber völlig selbst überlassen. Er muss lediglich gewährleisten das sich kein ISRC wiederholt. Insofern macht eine jährliche, fortlaufende Nummerierung natürlich einfach am meisten Sinn. – Das ganze solltet ihr also dringend in der Excelliste, nach Jahren katalogisiert führen. –
In unserem Beispiel wäre das also der erste registrierte Song im Jahre 2011. 😉
Der ISRC wird dann vom Mastering-Ing. beim erstellen der PMCD (PreMaster CD) oder des DDP Images (Disc Description Protocol) in die PQ-Daten (Subcode) geschrieben und somit im Presswerk automatisch mit vervielfältigt. Der ISRC hat jedoch nichts mit dem CD Text zu tun. Dieser enthält Sachen wie Titel- und Künstlernamen, die während des Abspielens im Display des CD-Players (sofern unterstützt) angezeigt werden.
In MP3-Datein ist ein Einbinden seit erscheinen des ID3v2 Standarts in den ID3 Tags zwar möglich, kommt aber in der Regel nicht vor. Denn die meisten gängigen ID3 Tagger bzw. Ripper unterstützen das Auslesen des ISRC nicht und können den Code somit auch nicht in den dafür vorgesehen Platz der Metadaten im ID3 Tag schreiben. Der ISRC geht somit beim Rippen der CD auf den Rechner verloren. Auch beim Rippen als WAV-Datei, denn die ISRCs sind nicht in die Audiodateien selbst geschrieben, sondern stecken im TOC (Table of Content), also dem „Inhaltsverzeichnis“ der Audio-CD. Trotz allem soll nicht unerwähnt bleiben das es durchaus einige MP3 Encoder gibt, die auch den ISRC ins ID3 Tag schreiben können.
Wer sich jetzt fragt wie dann die Künstler über die Downloadportale ihr Geld bekommen? Meist ganz altmodisch. Der MP3-Plattform weiß wie häufig welcher Song innerhalb eines Abrechnungszeitraums heruntergeladen wurde. Diese Zahlen teilen sie den Vertrieben mit, diese teilen es wiederum den Labels mit (falls der Künstler nicht direkt über Vertriebe wie Tunecore, Finetunes etc. vertreibt) und diese dann ihren Künstlern, simple as that.
Die ganze ISRC-Geschichte hat auch nichts damit zu tun das eure CD-Titel in zum Beispiel iTunes erkannt und angezeigt werden sobald jemand eure CD in den Rechner legt. Das ganze läuft über die CDDB (Compact Disc Database). Hier wird beim ersten Einsenden der Daten aus Titelanzahl, Titellänge, etc. eine eigene digitale Signatur erstellt die meist allen exakten Kopien der CD zugeordnet werden kann, so das alle Informationen online abgerufen werden sobald die CD im Laufwerk liegt. Also einfach CD in iTunes einlegen, alle Informationen in die ID3 Tags eintragen, alle Songs markieren und auf Titelinformationen senden klicken, fertig ist der Lack.
Wie bekommt man den ISRC und wie hoch sind die Kosten?
Der ISRC kann hier in Deutschland der deutschen Vertretung der IFPI, dem Bundesverband Musikindustrie beantragt werden. Die Kosten betragen hierfür einmalig 250 Euro inkl. MwSt., weitere Kosten für die Nutzung fallen danach nicht mehr an. – Btw. in den USA kostet die einmalige Registrierung 75$. –
Alles klar soweit? Okay, und so liefert man die Daten am besten zum Mastering an:
Die ISR Codes werden am besten mit den Künstler- und genauen Titelnamen in einer Excelltabelle abgegeben. – Diese findet sich als Download im Bereich Papers
Dabei werden die ISRCs unterbrechungsfrei, als durchgehende 12 Zeichen-Kombination eingetragen. Diese können dann beim Schreiben der PQ-Daten für jeden Titel aus der Excelltabelle einfach kopiert werden, damit unnötige Fehler beim Abschreiben vermieden werden.
PS: Wer mehr wissen will kann sich das hier ISRC-Handbuch bei der IFPI als PDF herunterladen.
Cheers
J
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