Nicht frisch gewaschen, dafür aber ganz schön nass.

Wer kennt es nicht, da bekommt man einen Song zum Mischen und die Vocalaufnahme klingt wie frisch aus dem Bad, zwar nicht gewaschen aber dafür ganz schön nass.
Das wird schwierig, denn schließlich soll das Publikum hier in Zukunft nicht mit dem Applaus geizen. Das einzige was einem hier aber im Moment um die Ohren klatscht sind ein paar Flatterechos die in einem unschönen Raumhall versinken. Jetzt kommt natürlich sofort die beste und eigentlich auch einzig richtige Idee: zurückschicken und sagen, dass sie wiederkommen dürfen wenn sie die Gesangsspuren brauchbar aufgenommen haben. Machmal klappt das aber nicht, weil der Artist quasi gerade „on the road“ aufgenommen hat und den Song nur mal eben als Lebenszeichen rausschmeissen möchte um ein paar Impressionen zu verarbeiten. Jetzt heisst es also, das beste aus dem Material zu machen…
Hierfür machen vor allem zwei Arbeitsschritte sinn, um in Kombination zu einem möglichst optimalen Ergebnis zu kommen – dem Ausgangsmaterial entsprechend, versteht sich.
Als erstes ist der Einsatz eines vollparametrischen EQs, mit möglichst hoher Flankensteilheit sinnvoll. Hiermit begibt man sich mittels Sweepen auf die Suche nach evtl. Raumresonanzen/-moden. Gefunden, und im gesunden Maße abgesenkt – was Gain und Güte angeht- und siehe da, die Stimme wird gleich um einiges klarer. (Der Maskierungseffekt lässt grüßen.)
Ist der unvorteilhafte Raum erstmal so gut es geht begradigt, gilt es dem Nachhall den Kampf an zu sagen. Hierbei hilft vor allem ein bestimmtes Plugin bzw. dessen Hardwareversion, nämlich der SPL Transient Designer! Diesen gibt es auch wahlweise in der kleinen Version als SPL De-Verb, was nichts anderes ist als der „halbe“ Sustainregler des Transient Designers. Warum der halbe Regler? Weil der De-Verb nur den negativen Regelweg des Sustainreglers hat, während das andere Plugin Mo-Verb den positiven Regelweg für mehr Sustain bietet und der Attacker die Attackfunktion der großen Version. Wer also nur eine von den Kisten braucht hat hier eine gute Alternative.
Was wir brauchen ist aber vor allem der negative Regelweg des Sustainreglers. (Der Attack-Parameter kann unter umständen auch hinzu gezogen werden, um in ganz sachten Einstellungen das Gefühl der Direktheit und Spritzigkeit des Signals etwas weiter hervor zu heben. Dies sollte hier nicht unerwähnt bleiben, ist aber mit Vorsicht zu genießen und muss ausprobiert werden ob es im jeweiligen Fall einen wirklichen Vorteil bringt.)
Aber zurück zu unserem neuen Freund, dem Sustainregler…
Was der Sustainregler macht?
Kurz, knapp und grob: Er regelt pegelunabhängig das Ausschwingverhalten der jeweiligen Hüllkurve des Signals, sprich: die eingestellten Werte werden immer im gleichen Ausmaß auf das jeweilige, anliegende Signal angewandt, egal wie laut oder leise es ist. Das eignet sich in dem Fall sehr gut um den störenden Nachhall, der in der Sustainphase deutlich hörbar zu Tage tritt möglichst weit zu reduzieren. (An dieser Stelle sei noch einmal darauf hingewiesen, das es sich hier um kein „Wunder von Bern“ handelt und somit nichts weggezaubert werden kann, man kann lediglich versuchen das Problem hiermit ein zu dämmen!)
Aber genug des theoretischen Unsinns und weiter im Text, ähh Mix:
So geht´s: Mix laufen lassen, Transient Designer in den Insert packen und den Sustain soweit herunter drehen bis man merkt das es zu pumpen beginnt, dann ein wenig zurück regeln – man kann selbstverständlich auch vorher aufhören wenn es schon reicht. Das ganze Spiel sollte man aber auch auf den Backgroundstimmen nicht vergessen, damit diese den Mix nicht ungewollt zukleistern! Und zack, fertig ist die Kiste. Jetzt beginnt der Spaß des ganzen, und zwar das Abstimmen zwischen Kompression aller Gesangsstimmen, der eingestellten Werte am EQ und den Sustainwerten. Hier gilt es jetzt die richtige Mischung zu finden, damit es so gut wie möglich sitzt. Viel Spaß dabei! 😉
Ein kleiner, aber wie ich finde großer Vorteil des kompletten Plugins, sei zum Schluss noch erwähnt. Nämlich die vier verschiedenen Direktspeicherpositionen. Super um zwei oder drei verschiedene Einstellungen während des Songs zu testen, falls man sich nicht sofort entscheiden kann welche Einstellung am besten in den Mix passt ohne den lästigen Umweg über extra abgespeicherte Userpresets im Pluginmenü des jeweiligen Hosts.
PS: Keine Angst, hier arbeitet niemand für irgendwelche Firmen und macht Werbung. Hier finden sich nur ein paar Tipps und Tricks aus der täglichen Arbeitspraxis, und in dem Falle ist eben die Hardware/das Plugin nunmal einzigartig in seiner Funktion und es dürfte somit schwer sein eine Alternative für diesen Einsatzzweck zu finden.
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